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Trainingstipps für die Winterzeit: Mini‑Übungen mit Maxi‑Effekt - Was du auch im Stall tun kannst

Der Winter stellt viele Pferdebesitzer vor besondere Herausforderungen: kurze Tage, gefrorene Böden, rutschige Wege, wenig Licht und oft eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten. Gleichzeitig ist die kalte Jahreszeit eine Phase, in der Pferde körperlich wie mental Unterstützung brauchen – denn weniger freie Bewegung, Kälte und veränderte Haltungsbedingungen wirken sich unmittelbar auf Muskulatur, Stoffwechsel und Wohlbefinden aus.


Die gute Nachricht: Auch im Winter kannst du dein Pferd sinnvoll, abwechslungsreich und gesundheitsfördernd trainieren. Du brauchst dafür weder perfekte Bedingungen noch eine große Reithalle. Selbst wenn alles gefroren ist oder der Schneesturm wütet, muss das Training nicht unbedingt ausfallen, denn sogar die Stallgasse oder der Putzplatz bieten Möglichkeiten, dein Pferd sinnvoll zu beschäftigen. In diesem Beitrag stelle ich dir meine besten Trainingstipps für die Stallgasse vor – praxistauglich und für jedes Pferd geeignet:


Massagen – kleine Handgriffe mit großer Wirkung


Massagen sind im Winter besonders wertvoll, denn Kälte führt oft zu verspannter Muskulatur. Sanfte, systematische Berührungen entlang Hals, Widerrist und Rücken fördern die Entspannung, lösen oberflächliche Verspannungen und verbessern die Durchblutung im Gewebe. Eine Massage ersetzt keine physiotherapeutische Behandlung, ist jedoch ein wirkungsvolles Mittel zur Prävention und als Ergänzung zur therapeutischen Tätigkeit.


Im Prinzip kannst du den gesamten Pferdekörper massieren - teste also gerne wo dein Pferd es besonders mag und wo es vielleicht auch nicht so gerne berührt werden möchte. Massagen sollten nur an Körperstellen angewendet werden, die das Pferd auch an angenehm empfindet. Ziel ist Entspannung und keine Abwehr.


Wichtig ist dabei vor allem Achtsamkeit: Spüre hinein, wie dein Pferd reagiert. Wird die Atmung ruhiger? Kaut es ab? Wirkt das Gewebe gleichmäßig oder spürst du Verhärtungen? Dosiere die Intensität immer so, dass dein Pferd während der Massage ent- und nicht verspannt! Eine Massage ist nicht besser, nur weil sie “fest” ist - im Gegenteil. Achte intensiv auf Abwehrreaktionen deines Pferdes wie gekräuselte Nüstern / angespannte Maulpartie, Kopfschlagen, Zähneknirschen, Beißen oder treten, Ausweichbewegungen oder auch Schweifschlagen und Co. Solche Reaktionen zeigen dir, wo dein Pferd Unterstützung braucht – und wo du vielleicht lieber sanfter arbeiten solltest.


Ein weiterer Vorteil: Massagen stärken eure Beziehung. Sie schaffen Vertrauen, Nähe und geben dir ein besseres Verständnis für den Körper deines Pferdes.


Wenn du die positiven Effekte von sanften Lockerungstechniken direkt selbst ausprobieren möchtest, habe ich etwas Besonderes für dich vorbereitet:

Ein kostenloses PDF mit 6 leicht umsetzbaren Massagen für den gesamten Pferdekörper.


Diese Massagen sind - auch ohne Vorkenntnisse - einfach anzuwenden, lassen sich in wenigen Minuten durchführen und eignen sich perfekt als Vorbereitung auf Bewegung oder als kleine Wohlfühlroutine zwischendurch.


Du bekommst damit eine kleine, aber unglaublich wirkungsvolle Sammlung an Techniken an die Hand, die du sofort in deinen Alltag integrieren kannst – egal ob im Stall, auf dem Putzplatz oder vor dem Training.




Wärmeanwendungen – sanfte Unterstützung für verspannte Muskeln



Wärmeanwendungen können ebenfalls wahre Wunder wirken. Wärme hat eine ganze Reihe positiver Effekte auf den Pferdekörper. Sie:


  • fördert die Durchblutung

  • lockert verspannte Muskulatur

  • verbessert die Elastizität des Fasziengewebes

  • bereitet das Gewebe optimal auf Bewegung vor

  • wirkt schmerzlindernd

  • unterstützt die mentale Entspannung


Gerade im Winter, wenn Pferde durch Kälte und weniger freie Bewegung schneller verspannen, kann Wärme ein wichtiger Baustein im Training und in der täglichen Pflege sein. Wärme eignet sich sowohl vor dem Training, um Muskulatur und Gewebe vorzubereiten als auch nach dem Training, um zu schnellem Auskühlen der Muskulatur vorbzubeugen. Ich verwende sie außerdem gerne bei älteren Pferden, die altersbedingt "steifer" sind, bei Pferden die Boxenruhe halten müssen oder weniger freie Bewegungsmöglichkeiten haben oder auch bei nasskaltem Wetter, wenn die Muskulatur schneller „zumacht“. Wärme ist also nicht nur Wellness, sondern ein gezieltes Werkzeug, um den gesamten Pferdekörper geschmeidig zu erhalten.


Dabei muss es nicht immer das Solarium oder die teure Wärmedecke sein: Auch günstigere Hilfsmittel wie ein Moorkissen für die Mikrowelle oder ein Wärmekissen aus Naturmaterialien wie Dinkelspelz, welches eine wohltuende Wirkung durch die Eigenwärme des Tieres entwickelt, reichen aus, um positive Effekte zu erzielen.


Worauf du bei Wärmeanwendungen unbedingt achten solltest


Damit Wärme wirklich hilft und nicht schadet, solltest du ein paar Grundregeln beachten:


  • Die Temperatur muss angenehm sein - Pferde reagieren empfindlich auf zu hohe Temperaturen. Wärme soll entspannen, nicht reizen. Wenn es für deine Hand zu heiß ist, ist es auch fürs Pferd zu heiß.

  • Nie auf entzündete oder geschwollene Bereiche - Bei akuten Entzündungen, Schwellungen oder frischen Verletzungen ist Kälte angesagt – nicht Wärme.

  • Reaktionen des Pferdes beobachten - Wirkt dein Pferd entspannt, senkt den Kopf, schnaubt oder kaut ab? Super! Spannt es sich an, wirkt unruhig oder gestresst oder versucht auszuweichen? In diesem Fall ist die Stelle wahrscheilich zu empfindlich oder die Temperatur zu hoch.

  • Wärme nicht zu lange anwenden - 10–20 Minuten reichen bei Wärmekissen und Co. meist völlig aus. Zu lange Wärme kann das Gewebe ermüden oder überreizen.



Mobilisierende Übungen im Stand – geschmeidig bleiben trotz Winterpause


Mobilisierende Übungen im Stand helfen deinem Pferd, geschmeidig zu bleiben – selbst wenn das eigentliche Training mal kürzer oder ganz ausfallen muss. Sie unterstützen die Beweglichkeit der Gelenke und die Geschmeidigkeit der Muskulatur.


Wichtig:   Diese Übungen sollten immer vorsichtig, kontrolliert und idealerweise nach Anleitung eines Physiotherapeuten oder Trainingstherapeuten durchgeführt werden. So stellst du sicher, dass:


  • Bewegungen korrekt ausgeführt werden

  • dein Pferd nicht überdehnt wird

  • keine Fehlbelastungen entstehen

  • die Übungen wirklich einen positiven Effekt haben.


Lass dir also gerne für dein Pferd geeignete Übungen zeigen und integriere sie regelmäßig in deinen Alltag. Schon wenige Minuten 3-4x pro Woche können einen großen Unterschied machen.



Propriozeptives Training – Balance, Körpergefühl und Stabilität fördern


Propriozeption bedeutet Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum. Gerade im Winter, wenn Pferde weniger gleichmäßig bewegt werden, ist dieses Training Gold wert, denn es stärkt Koordination, Stabilität und Körperbewusstsein und verringert damit auch aktiv die Verletzungsgefahr deines Pferdes. Das gute dabei: es lässt sich wunderbar auch auf kleiner Fläche durchführen.


Was bewirken die Übungen?


Das Schlagwort ist "propriozeptives Training". Hierunter versteht man kurz gesagt, das Training der sensorischen Rezeptoren, die für die Tiefensensibiliät, also die Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum, zuständig sind. Die Propriorezeptoren leiten Informationen über Muskelspannung, Gelenkstellung, Muskellänge und Bewegung zum Gehirn des Pferdes weiter, wo sie verarbeitet werden. Auf wackeligen, unebenen Untergründen muss das Pferd mehr Muskelfasern aktivieren um sein Gleichgewicht zu halten. Es wird also die Tiefenmuskulatur angesprochen und trainiert. Ist diese gut trainiert, ist das Pferd stabiler im gesamten Körper und die Bewegungsmuskulatur wird entlastet. Durch diesen Lernprozess wird die Wahrnehmung, Reaktion und die Koordination des Pferdes geschult.


Beispiele sind gezieltes Übertreten oder Rückwärtsrichten über Stangen oder auch Balanceübungen auf weichem Untergrund, z.B. mithilfe von Balance Pads. Insbesondere Übungen auf instabiler Unterlage schulen die Körperwahrnehmung und die Feinmotorik. Gerade im Winter, wenn weiche Böden und rutschige Stellen die Bewegungsqualität beeinträchtigen können, sind kontrollierte Balanceübungen eine sinnvolle Ergänzung, um Sturzrisiken zu reduzieren.


Neben der konkrete Übung ist dabei die Art der Ausführung am Wichtigsten. Erarbeite dir die Übungen


  • langsam und bewusst

  • mit klaren Hilfen

  • ohne Hektik oder Zeitdruck

  • in kleinen Arbeitsphasen mit ausreichend Pausen zwischen den einzelnen Durchgängen

  • immer an den Reaktionen des Pferdes orientiert.


Achte darauf, dass dein Pferd nicht in Stress gerät oder versucht, sich „durchzuschummeln“. Qualität geht hier ganz klar vor Quantität.



Warum diese Mini‑Übungen so wertvoll sind



Gerade im Winter, wenn lange Reiteinheiten oder intensives Training nicht immer möglich sind, können diese kleinen Anwendungen und Übungen:


  • Verspannungen - durch Bewegungsmangel, Kälte oder unpassende Decken - vorbeugen

  • die Muskulatur geschmeidig halten

  • die Gelenkbeweglichkeit erhalten

  • das Körpergefühl verbessern

  • die Bindung zwischen dir und deinem Pferd stärken

  • den Wiedereinstieg oder das Warm-Up fürs reguläre Training erleichtern


Sie sind also nicht nur „Notlösungen“, sondern ein wertvoller Bestandteil eines ganzheitlichen Wintertrainings.



Warum Übungen im Stand am sinnvollsten sind, wenn dein Pferd danach bewegt wird


Wenn es möglich ist, sollten wir immer versuchen statische und mobilisierende Maßnahmen wie Massagen oder propriozeptives Arbeiten mit einer anschließenden Bewegungs-oder Trainingsphase zu kombinieren, denn nur dann können die Übungen ihre volle Wirkung entfalten:


Mobilisation löst und erweitert den Bewegungsumfang, aktive Bewegung stabilisiert und integriert diese Veränderungen in die funktionale Bewegungskette des Pferdes. Passive Techniken können Blockaden lösen, erreichen aber ohne anschließende Bewegung nicht die Wiederherstellung eines natürlichen Bewegungsmusters.


Durch Bewegung nach einer Mobilisation lernt das Pferd, die gelockerte Muskulatur gezielt einzusetzen; das zentrale Nervensystem passt die Muskelspannung an und verbessert Koordination und Takt. Massagen und auch Wärmeanwendungen erhöhen zudem lokal die Durchblutung; nur durch anschließende Bewegung werden Stoffwechselprodukte abtransportiert und die Muskulatur nachhaltig erwärmt und aktiviert.


Kurz gesagt: Vorbereitung + Bewegung = nachhaltiger Effekt. So profitieren Pferde am meisten von Übungen im Stand – und du holst das Maximum aus jeder noch so kleinen Wintereinheit heraus. Diese Abfolge verbindet Lockerung mit funktioneller Nutzung und reduziert das Risiko, dass gelöste Strukturen sofort wieder verspannt werden.


Wenn du nur wenig Zeit zur Verfügung hast oder wetterbedingt keine Bewegungsfläche zur Verfügung steht, kannst du natürlich auch nur die Übungen im Stall machen. Du solltest jedoch bitte in unaufgewärmtem Zustand auf Dehnübungen verzichten, da die Verletzungsgefahr ansonsten zu hoch ist.



Wenn du tiefer einsteigen möchtest:


Mein Webinar „Fit durch den Winter“


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