Heuanalyse verstehen: Zucker, Energie, Faser & Keimgruppen - Die wichtigsten Kennzahlen einfach erklärt
- Janine

- 29. Dez. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Eine Heuanalyse liefert wertvolle Informationen über die Beschaffenheit des Raufutters und ist damit ein entscheidender Baustein für eine bedarfsgerechte Pferdefütterung. Doch viele Pferdehalter stehen vor einer Liste aus Abkürzungen, Zahlen und Fachbegriffen, die auf den ersten Blick wenig verständlich wirken. In diesem Beitrag erkläre ich dir die wichtigsten Bezeichnungen aus Heuanalysen in einfachen Worten, damit du die Werte sicher einordnen kannst.
Beachte bitte, dass sich die Bezeichnungen und Messmethoden je nach Labor unterscheiden können. Ich habe in diesem Beitrag die gängigsten Begriffe zusammengefasst. Wenn du dir bei einzelnen Werten unsicher bist, lohnt sich ein Blick auf die Website des jeweiligen Labors – dort wird meist genau erklärt, wie die Werte ermittelt wurden und was sie beinhalten. Besonders Begriffe wie „Gesamtzucker“ werden von verschiedenen Laboren unterschiedlich definiert.
Grundlegende Nährstoffgehalte
Die Weender Analyse ist das älteste und bis heute grundlegende Verfahren zur Untersuchung von Futtermitteln. Sie wurde im 19. Jahrhundert in der Versuchsstation Göttingen‑Weende entwickelt und bildet weltweit die Basis der Fütterungslehre. Sie teilt ein Futtermittel in sogenannte Rohnährstofffraktionen ein – also Gruppen von Inhaltsstoffen, die eine ähnliche physiologische oder energetische Wirkung haben. Dazu gehören Trockensubstanz (TS), Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und die stickstofffreien Extraktstoffe (NfE). Diese Einteilung ermöglicht eine erste, grundlegende Einschätzung des Nährwerts eines Futters. Viele moderne Energie‑Berechnungen basieren weiterhin auf den Rohnährstoffen der Weender Analyse.
TROCKENSUBSTANZ - TS / TROCKENMASSE - TM ist der Anteil eines Futtermittels, der nach vollständiger Entfernung des Wassers verbleibt. Nährstoffangaben (z. B. Rohprotein, Energie) werden meist pro kg Trockenmasse angegeben; so lassen sich verschiedene Heu‑Chargen korrekt vergleichen. Ein zu niedriger Wert lässt auf zu feuchtes Heu schließen und erhöht das Risiko von Gärung, Schimmelbildung und Hitzeentwicklung; zu trockenes, sehr sprödes Heu kann dagegen Staubprobleme verursachen.
ROHPROTEIN ist die Summe aller stickstoffhaltigen Verbindungen - völlig unabhängig von deren biologischer Wertigkeit. Die biologische Wertigkeit beschreibt, wie gut ein Protein vom Körper genutzt werden kann, also wie effizient es in körpereigenes Eiweiß umgewandelt wird. Entscheidend dafür ist, wie gut die enthaltenen Aminosäuren zu den Bedürfnissen des Körpers passen — insbesondere die essentiellen Aminosäuren. Ein Heu kann also viel Rohprotein enthalten, aber trotzdem eine geringe biologische Wertigkeit haben. Umgekehrt kann ein Futter mit moderatem Rohprotein sehr hochwertig sein, wenn die Aminosäuren optimal zusammengesetzt sind. Wir betrachten den Rohproteingehalt daher immer in Zusammenhang mit dem Anteil an dünndarmverdaulichem Rohprotein:
DÜNNDARMVERDAULICHES ROHPROTEIN - dvRp oder pcvXP ist das tatsächlich im Dünndarm resorbierbare Eiweiß und damit der entscheidende Wert für die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren. Damit unterscheidet es sich deutlich vom Gesamtrohprotein. Zusammengefasst bedeutet das für die Interpretation:
Ein Futter kann viel Rohprotein, aber wenig dünndarmverdauliches Rohprotein enthalten → schlechte Proteinqualität
Ein Futter mit moderatem Rohprotein, aber hohem dünndarmverdaulichem Anteil kann deutlich wertvoller sein.
ROHFETT beschreibt den Anteil aller fettlöslichen Bestandteile im Heu. Dazu gehören nicht nur echte Fette und Öle, sondern auch andere Stoffe, die sich in organischen Lösungsmitteln lösen lassen — zum Beispiel fettlösliche Vitamine oder bestimmte Pflanzenbestandteile. Heu enthält generell nur wenig Rohfett. Der Wert ist daher meist niedrig und spielt für die Energieversorgung des Pferdes nur eine untergeordnete Rolle.
ROHFASER - Rfa ist der wichtigste Wert für die Beurteilung, ob ein Pferd mit der derzeitigen Ration auch wirklich satt wird. Jedes Pferd hat eine individuelle Sättigungsgrenze - also eine bestimmte Menge an Rohfaser, die es über den Tag verteilt aufnehmen möchte, damit es sich satt fühlt. Hat ein Heu wenig Rohfaser so wird das Pferd von diesem Heu bei ad libitum Angebot mehr Heumenge pro Tag aufnehmen als von einer anderen Heucharge mit höherem Rohfasergehalt.
Der Rohfaser-Wert im Heu kann immer auch in Kombination mit NDF (Neutral Detergent Fiber), ADF (Acid Detergent Fiber) und ADL (Acid Detergent Lignin) betrachtet werden. Diese sind Teil der van‑Soest‑Analyse - ein modernes Verfahren zur Bestimmung der Faserbestandteile in Futtermitteln, welches eine differenzierte Auswertung der Zellwandbestandteile Zellulose, Hemicellulose, Lignin liefert. Sie ist damit deutlich präziser als die klassische Weender Analyse.
Je höher der NDF‑Wert, desto strukturreicher und füllender ist das Heu. Hohe NDF‑Werte verlangsamen die Passage im Verdauungstrakt und reduzieren die Futteraufnahme.
ADF beschreibt die schwer verdaulichen Faserbestandteile. Ein hoher ADF‑Wert bedeutet geringere Verdaulichkeit des Heus und damit weniger für das Pferd nutzbare Energie.
ROHASCHE beinhaltet anorganische, nicht brennbare Bestandteile und damit Mineralstoffe und Spurenelemente. Ein zu hoher Rohasche-Anteil kann jedoch ein Hinweis auf Bodenkontakt bei der Heuernte sein. Der Rohasche-Anteil ist somit nicht nur Nährstoffparameter, sondern auch Hygiene- und Qualitätsindikator.
STICKSTOFFFREIE EXTRAKTSTOFFE - NfE sind eine rechnerische Größe. NfE werden nicht direkt gemessen, sondern ergeben sich als Differenz aus der Trockensubstanz − (Rohprotein+Rohfett+Rohfaser+Rohasche). Die NfE umfassen vor allem Kohlenhydrate, die nicht zur Rohfaser gehören, also z. B. Stärke, lösliche Zucker (Glucose, Fructose, Saccharose usw.), Glykogen, lösliche Teile von Zellulose, Hemizellulosen, Lignin und Pektinen. Damit gibt der NfE-Wert einen Überblick über die leicht verdaulichen Kohlenhydrate im Futter.

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Energie, Zucker & co.
ENERGIEGEHALT - MJ ME steht für Megajoule umsetzbare Energie pro Kilogramm Heu und gibt an, wie viel Energie aus dem Heu dem Pferd nach Verdauungsverlusten tatsächlich zur Verfügung steht. Je höher der Wert, desto energiereicher das Heu.
NICHT-STRUKTUR KOHLENHYDRATE - NSC; steht für Non-Structural-Carbohydrates und ist ein Sammelbegriff für die leicht verdaulichen Kohlenhydrate Zucker, Stärke und Fruktane. NSC sind energie- und stoffwechselaktive Kohlenhydrate, die rasch im Dünndarm resorbiert oder im Dickdarm fermentiert werden können. Sie sind somit zentrale Energiequelle, gleichzeitig aber auch kritischer Faktor bei stoffwechselerkrankten Pferden wie IR, EMS oder Rehe.
NICHT-FASER KOHLENHYDRATE - NFC; steht für Non-Fibrous-Carbohydrates und ist ein berechneter Wert, der Zucker, Stärke, organische Säuren und zusätzlich Pektine beinhaltet.
WASSERLÖSLICHE KOHLENHYDRATE - WSC; sind eine Untergruppe der NSC welche nur wasserlösliche Zucker und Fruktane umfasst, d.h. Einfach- und Zweifachzucker Glukose, Fruktose und Saccharose. WSC werden im Dünndarm resorbiert und stehen dem Pferd schnell als Energie zur Verfügung.
FRUKTANE sind Ketten aus Fruktosemolekülen, die Pflanzen als Energiereserven bilden. Sie sind nicht enzymatisch im Dünndarm des Pferdes abbaubar, sondern gelangen unverdaut in den Dickdarm und müssen dort mikrobiell fermentiert werden; Der Fruktangehalt in der Pflanze ist stark abhängig von den Wachstumsbedingungen -> kalte, sonnige Tage und Trockenstress = hoher Fruktanwert, längere Wärmeperiode / Regenphase = sinkender Fruktanwert.
Was spannend ist: Das Pferd kann sich auf hohe Fruktanzufuhr anpassen; Kritisch sind jedoch spontane, steile Ansprünge, da diese Einfluss auf das Darmmikrobiom im Dickdarm haben -> bei einem sprunghaften Anstieg der Fruktanzufuhr steigt die Gas- und Säurebildung im Dickdarm ebenfalls sprunghaft an, was zu Darmdysbiosen und Hufrehe führen kann.
GESAMTZUCKER nach VDLUFA; Bei dieser Summenmethode werden Mono- und Disaccharide wie Glucose, Fructose, Lactose, Maltose oder Saccharose erfasst (ohne Fruktan).
Mengen- und Spurenelemente
MENGENELEMENTE - Calcium, Phosphor, Natrium, Magnesium, Kalium, Schwefel sind Mineralstoffe, die im Körper in größeren Mengen benötigt werden und zentrale physiologische Aufgaben übernehmen, z.B. für Skelettstabilität und Muskelreizleitung, Energiestoffwechsel und Knochenmatrix, Muskel‑ und Nervenfunktion sowie Flüssigkeits‑ und Elektrolythaushalt. Pferde haben für jedes Element einen Mindestbedarf, aber auch eine Obergrenze - viel hilft also nicht viel. So kann es bei Überversorgungen zu Organüberlastung und -schäden bis hin zur Intoxikation kommen.
SPURENELEMENTE - Kupfer, Zink, Mangan, Eisen und Selen sind Mineralstoffe, die ein Pferd zwar nur in kleinen Mengen (Milligramm‑Bereich) benötigt, welche aber als Cofaktoren für Enzyme, Antioxidantien und für Blut-, Knochen‑ und Immunfunktionen unverzichtbar sind. Wie bei den Mengenelementen auch kann ein Mangel oder Überschuss Stoffwechsel, Leistungsfähigkeit und Gesundheit stark beeinträchtigen.
Der Anteil an Mengen- und Spurenelementen im Raufutter kann je nach Bodenbeschaffenheit, Gräserzusammensetzung, Wetterbedingungen, Erntezeitpunkt und Co. deutlich variieren. So kann sich an den jährlich herausgegebenen Mittelwerten der LUFA leider nur sehr bedingt orientiert werden - viel genauer ist und bleibt eine konkrete Analyse. Mithilfe der individuellen Werte kann im Rahmen der Rationsberechnung ein zur jeweiligen Heucharge passendes Mineralfutter ausgewählt werden.
Mengen- und Spurenelemente sollten niemals isoliert, sondern auch immer im Verhältnis zueinander betrachtet werden. So kann eine übermäßige Aufnahme eines Elementes die Resorption eines anderen beeinflussen. Die wichtigsten Verhältnisse in der Pferdefütterung sind Calcium:Phosphor, Eisen:Mangan und Kupfer:Zink.

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Warum eine Heuanalyse so wertvoll ist
Welche Werte wirklich wichtig sind
Worauf du bei der Probenahme achten solltest
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Hygienische Beschaffenheit
Neben der Zusammensetzung und der Nährstoffdichte kann eine Analyse natürlich auch Aufschluss über die hygienische Qualität geben. Was dabei wichtig ist:
Die Probenentnahme, Lagerung und Versand des beprobten Materials spielen eine wichtige Rolle: häufig werden bei der Probenentnahme Fehler gemacht, die die Analyse im Labor verfälschen! Schau dazu gerne mein Freebie rund um die Heuanalyse - dort klären wir was es bei der Entnahme zu beachten gibt.
Heu ist nie keimfrei! Ein gewisser Besatz ist produkttypisch ganz normal und für das Pferd völlig unbedenklich.
Heu ist immer nur so gut wie es gelagert wird. Nach der Ernte hygienisch einwandfreies Heu kann durch falsche Lagerung schnell für Pferde ungenießbar werden -> beachte daher unbedingt die Hygienebestimmungen und -leitlinien für eine ordnungsgemäße Heulagerung.
KEIMGRUPPEN In einer mikrobiologischen Heuanalyse werden verschiedene Keimgruppen untersucht. Diese sind Sammelbezeichnungen für typische Mikroorganismen, die natürlicherweise auf Pflanzen vorkommen oder sich während Lagerung und Verarbeitung vermehren:
KG1: normale Feldpilze
KG2-3: Bakterien
KG4-6: Pilze
KG7: Hefen
Die Keimgruppen zeigen, welche Arten von Mikroorganismen im Heu vorkommen und in welcher Menge. Die Anzahl wird in KBE/g (koloniebildende Einheiten pro Gramm) angegeben — also wie viele lebensfähige Keime sich noch vermehren können, d.h. es ist ein Orientierungswert für die mikrobiologische Gesamtbelastung. Je später geschnitten das Heu ist, desto höher ist das Risiko für Keimbesatz. Eine hohe KBE Zahl ist ein Hinweis auf feuchte Erntebedingungen, unsachgemäße Trocknung oder fehlerhafte Lagerung.
AEROBE MESOPHILE BAKTERIEN kommen natürlicherweise auf Pflanzen vor. Ein stark erhöhter Wert kann jedoch auf Verderb oder schlechte Lagerbedingungen hinweisen.
SCHIMMELPILZE reizen die Atemwege und können Husten, allergische Reaktionen und chronische Atemwegserkrankungen auslösen. Übrigens: Selbst wenn man das Heu wässert, werden zwar die Sporen gebunden, aber der Schimmel selbst bleibt vorhanden und das Heu ist weiterhin hygienisch minderwertig.
MYKOTOXINE sind Schimmelpilzgifte (zB Aflatoxin oder Ochratoxin) und können auch in geringen Mengen toxisch wirken. Sie zählen zu den gefährlichsten Giftstoffen im Heu, da sie weder durch erhitzen oder einweichen noch durch bedampfen zerstört werden können.
HEFEN kommen in jedem Heu vor. Hohe Werte sind jedoch ein Indikator für Nachgärung, welche den Wassergehalt lokal erhöht und zu Erwärmung des Heus führt, was wiederum Schimmelpilzen ideale Bedingungen bietet.
Eine Heuanalyse liefert wertvolle Einblicke in die Zusammensetzung und Qualität des wichtigsten Futtermittels unserer Pferde. Wenn man die einzelnen Begriffe versteht und richtig einordnen kann, wird schnell klar, wie viel Potenzial in einer fundierten Auswertung steckt – sei es für eine stabile Gesundheit, eine ausgewogene Fütterung oder ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse des eigenen Pferdes.
Wenn du jetzt das Gefühl hast, dein Heu besser einschätzen zu können, aber dir bei der Interpretation einzelner Werte noch unsicher bist, dann lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen. Eine fundierte Analyse ist der erste Schritt – die richtige Einordnung und Umsetzung in ein stimmiges Futterkonzept der zweite. Hol dir gerne mein kostenloses Heuanalyse‑Freebie in der Online‑Wissenswelt oder melde dich direkt bei mir für eine individuelle, markenunabhängige Futterberatung.




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