Stressfreie Pferde an Silvester - meine Tipps zum Jahreswechsel
- Janine

- 29. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Dez. 2025
Silvester ist für viele Menschen ein Fest, für Pferde aber oft eine Herausforderung: laute Knallgeräusche, grelles Licht und ungewohnte Unruhe können Angst und Fluchtverhalten auslösen. Gut vorbereitet zu sein heißt, die Bedürfnisse des Pferdes in den Mittelpunkt zu stellen und einfache Maßnahmen zu treffen, die Sicherheit und Ruhe fördern. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Tipps zusammen, damit du und dein Pferd die Nacht möglichst gelassen übersteht.

Management und unterbringung
Freie Fläche statt enge Box Viele Pferde fühlen sich wohler wenn sie sich frei bewegen können, anstatt in beengten Boxen. Pferde sind Fluchttiere. Wenn sie Stress empfinden, schüttet ihr Körper Adrenalin und Cortisol aus – Hormone, die sie auf Bewegung vorbereiten. Kann ein Pferd sich frei bewegen (Paddock, Offenstall, Halle), kann es laufen und Spannung „wegbewegen“. Bewegung sorgt somit dafür, dass der Parasympathikus (Ruhe-Nervensystem) aktiviert wird, die Atmung tiefer wird und die Muskulatur entspannt.
Enge Räume erhöhen außerdem das Gefühl von Ausweglosigkeit. Eine Box ist für ein Fluchttier ein toter Winkel: nur ein Ausgang, wenig Überblick und keine Möglichkeit, Abstand zu Reizen zu schaffen erzeugen ein Gefühl von „eingesperrt sein“ – besonders in Situationen wie Silvester, in denen Geräusche und Lichtblitze von außen kommen. Auf einer freien Fläche kann das Pferd selbst entscheiden wohin es sich stellt, wie viel Abstand es nimmt und welche Position ihm Sicherheit gibt. Diese Kontrolle über die eigene Situation reduziert Angst enorm.
Soziale Sicherheit In der Natur überlebt ein Pferd nicht, weil es besonders stark ist, sondern weil es Gefahren früh erkennt. In der Herde teilen sich alle Tiere diese Aufgabe: Mehrere Augenpaare scannen die Umgebung, mehrere Ohren nehmen Geräusche aus verschiedenen Richtungen wahr und ein Pferd kann ruhen, während andere wachsam bleiben. Allein muss ein Pferd diese Aufgabe selbst übernehmen – das erhöht die Grundanspannung und macht es schreckhafter.
Pferde orientieren sich zudem stark an der Körpersprache und dem emotionalen Zustand ihrer Artgenossen. Wenn die Herde ruhig bleibt, signalisiert das dem einzelnen Pferd: „Alles ist sicher.“ Das senkt Herzfrequenz, Muskeltonus und Stresshormone. Dieses Phänomen nennt man soziale Ko-Regulation – ein biologischer Mechanismus, der auch bei Menschen wirkt. Allein fehlt diese Rückversicherung. Ein Pferd bleibt länger in Alarmbereitschaft, weil niemand da ist, der „Entwarnung“ gibt. Wenn dein Pferd also an Herdenhaltung gewöhnt ist, lasse es in der Gruppe: die soziale Struktur vermittelt Schutz und Sicherheit.
Sicherheitscheck Prüfe Zäune, Tore und Fluchtwege rechtzeitig auf Stabilität. Vermeide lose Gegenstände oder Sackgassen, die bei Panik zur Gefahr werden können. Wenn Feuerwerk in der Nähe erwartet wird, plane Betreuung oder Aufsicht ein — allein gelassene Pferde auf offener Weide sind einem höheren Risiko ausgesetzt. Wem nächtlicher Paddockgang zu gefährlich ist, kann vielleicht die Reithalle für die Silvesternacht nutzen, um den Pferden das Bewegungsbedürfnis zu ermöglichen und gleichzeitig einen geschützten Raum ohne "Ausbruchmöglichkeiten" zu schaffen.
Musik im Stall kann helfen Auf viele Pferde wirkt ruhige klassische Musik beruhigend und überdeckt teilweise Knallgeräusche. Wenn dein Pferd also zu Silvester im Stall stehen muss, dann kannst du das Radio dezent einschalten. Beobachte dabei das Verhalten deines Pferdes — nicht jedes Tier reagiert gleich. Achte auf angenehme Lautstärke und sichere Stromquellen.
Routinen schaffen Sicherheit. Pferde lieben vertraute Abläufe. Halte Fütterungs- und Ruhezeiten wie gewohnt ein und vermeide laute Aktivitäten oder Partys in der Stallgasse. Grelle Beleuchtung, viele Menschen oder ungewohnte Geräusche halten Pferde unnötig in Alarmbereitschaft. Wenn du die Silvesternacht unbedingt in der Nähe deines Pferdes verbringen möchtest, dann halte dich außerhalb der Stallgebäude auf, z.B. im Reiterstübchen und schaue regelmäßig, aber dezent und auffällig nach den Pferden. Pferde verstehen nicht, weshalb auf einmal alle paar Minuten jemand in den Stall kommt, wenn ansonsten zum späten Abend immer Ruhe herrscht.
Zusätzlich kann auch eine Videoüberwachung dabei helfen, die Pferde zu beobachten ohne sie zu irritieren.
Faktor Mensch
Noch ein wichtiger Tipp: Bleib selbst entspannt, wenn du bei deinem Pferd bist. Pferde spüren unsere Stimmung besser als wir manchmal denken. Bist du selbst aufgeregt oder angespannt überträgt sich das auf dein Pferd. Atmest du hingehen ruhig und gleichmäßig wird es auch deinem Pferd leichter fallen ruhig zu bleiben.
Eine schöne Übung ist auch das "zusammen atmen": Stell dich dazu an die Seite deines Pferdes mit Blick Richtung Hinterhand. Nun legst du eine Hand auf den Widerrist oder die Lende deines Pferde. Nimm gerne die Stelle, die für dein Pferd angenehmer ist. Wichtig ist dabei dass du keinen Druck ausübst - du legst die Hand einfach entspannt ab. Deine zweite Hand legst du nun auf die Atmungsrippen (ca. 9. - 18. Rippe, diese liegen in etwa ab der Schenkellage bis zum Ende der Sattellage). Starte dann damit, die Atmung deines Pferdes wahr zu nehmen: Atmet es ruhig, tief und gleichmäßig? Oder geht der Atem eher flach und gepresst und du kannst kaum Rippenbewegung wahrnehmen? Nun versuchst du selbst, ganz gleichmäßig ruhig und langsam zu atmen. Mit der Zeit wirst du merken, wie dein Pferd sich auf deine Atemfrequenz "einspielt" und der Bauch beim Einatmen mehr "in deine Hand gedrückt" wird.
Fütterung an silvester
Raufutter und Nassfutter statt Kraftfutter Kauen ist eine beruhigende, repetitive Tätigkeit, die Pferde physiologisch entspannt und hilft, Adrenalin abzubauen. Bewegung und Kauen sind natürliche Wege, Stress abzubauen; wenn Kauen möglich ist, sinkt die Alarmbereitschaft. Biete daher reichlich Heu oder feuchtes Nassfutter wie Heucobs oder Mash an. Vermeiden solltest du in jedem Fall Kraftfutter und harte Snacks wie rohe Karotten, denn Pferde neigen bei Stress dazu, hastig zu Fressen und ggf. unzureichend zu kauen, was das Risiko für Schlundverstopfungen erhöht.
Timing und Menge Füttere so, dass das Pferd auf jeden Fall vor den lautesten Stunden um Mitternacht gut versorgt ist, vermeide dabei aber große, ungewohnte Portionen an Kraftfutter. Wenn dein Pferd sonst keine kiloweise Mashfütterung gewohnt ist, solltest du das auch an Silvester nicht anbieten. Stattdessen kannst du die Heu-Portion anpassen: Stetige Verfügbarkeit von Raufutter hilft, Unruhe zu dämpfen.
Supplemente richtig einsetzen. Magnesium ist etwas, das an Silvester gern empfohlen wird um die Nerven zu beruhigt - jedoch hilft dies nur bei einem tatsächlich nachgewiesenem Mangel. Eine pauschale Zufütterung bringt bei normal versorgten Pferden keinen Nutzen und kann im Gegenteil bei übermäßiger Dosierung Durchfall oder sogar Koliken auslösen. Besteht berechtigte Sorge dass dein Pferd in Panik verfallen könnte, dann sprich mit deinem Tierarzt über eine Sedationspaste mit dem Wirkstoff Detomidin.
Akupressur & Tapes gegen stress
Crosstapes und Kinesiotapes sind längst nicht mehr nur im Humanbereich beliebt. Auch in der Pferdetherapie werden sie eingesetzt, um Verspannungen zu lösen, den Energiefluss zu harmonisieren und Stress zu reduzieren.

Die wirksamste und am besten belegte Stelle zur Stressreduktion an Silvester ist der Yintang-Punkt – ein
Akupunkturpunkt zwischen den Augen, leicht oberhalb der Stirnlinie. Um ihn zu finden kann man sich zwei Hilfslinien vorstellen, die vom inneren Augenwinkel zur gegenüberliegenden Ohrmuschel führen. Dort, wo sich beide Linien kreuzen, liegt der Yintang. Er fühlt sich etwas weicher an als seine Umgebung und wird traditionell zur Beruhigung, Entspannung und Angstlösung genutzt.
Du kannst den Punkt akupressieren oder z.B. über die Silvesternacht mit einem Crosstape tapen.
Die Akupressur ist die kreisförmige Massage bestimmter Punkte, welche im Uhrzeigersinn verläuft . Wir arbeiten grundsätzlich mit geringem Druck mit der Fingerkuppe. Achte darauf, dass diese nicht blass bzw. weiß wird - das wäre ein Anzeichen für zu viel Druck. Du kannst den Druck während der Massage leicht erhöhen, achte dabei aber immer auf die Reaktion deines Pferdes. Manche Pferde mögen es mit eher leichtem Druck, andere finden eine höhere Intensität angenehm. Optimal ist es, wenn das Pferd während der Akupressur den Kopf senkt und ggf. sogar abschnaubt oder abkaut.
Du kannst den Punkt auch tapen um eine längerfristige Wirkung zu erzielen. Nutze dazu idealerweise ein Crosstape mit 4cm oder mehr (Meine Favoriten findest du zum Beispiel hier. Dies ist ein Amazon Affiliate-Link. Mit deiner Bestellung erhalten meine Ponys ein paar Cent in die Möhrenkasse ;)) Crosstapes sind kleine gitterförmige Pflaster, die auf Akupunkturpunkte, Triggerpunkte oder Stresspunkte geklebt werden. Sie erhöhen die Reibung zwischen Ober- und Unterhaut, fördern die Durchblutung und stimulieren den Energiefluss entlang der Meridiane. Das kann helfen, innere Anspannung zu reduzieren und das vegetative Nervensystem zu beruhigen. Crosstapes sollten immer auf sauberes, trockenes Fell geklebt werden, da sie nur so gut haften und ihre Wirkung über die Hautreize entfalten können.
Der Yintang - Akupressurpunkt für Stresssituationen
Die Silvesternacht muss für Pferde kein Ausnahmezustand sein – wenn wir ihre Bedürfnisse ernst nehmen und rechtzeitig die richtigen Maßnahmen treffen. Pferde sind Fluchttiere, die auf Lärm, Lichtblitze und Unruhe sensibel reagieren. Umso wichtiger ist es, ihnen an diesem Abend ein Umfeld zu schaffen, das Sicherheit, Verlässlichkeit und Ruhe vermittelt. Dazu gehören eine durchdachte Unterbringung, ausreichend Raufutter, konstante Routinen und ein respektvoller Umgang mit ihrer natürlichen Stressreaktion.
Ob du dein Pferd in der vertrauten Herde lässt, ihm freie Bewegung auf Paddock oder Halle ermöglichst, beruhigende Musik einsetzt oder gezielt mit Crosstapes arbeitest – all diese Maßnahmen haben ein gemeinsames Ziel: deinem Pferd das Gefühl zu geben, dass es nicht allein ist und dass seine Umgebung berechenbar bleibt. Gleichzeitig schützt du es vor vermeidbaren Risiken wie Schlundverstopfungen, Koliken durch falsche Fütterung oder unnötiger Panik durch menschliche Aktivitäten im Stall.
Silvester ist für Pferde kein Fest, aber es kann eine Nacht sein, die sie gut überstehen – ruhig, sicher und ohne übermäßigen Stress. Mit Empathie, Wissen und guter Vorbereitung kannst du entscheidend dazu beitragen, dass dein Pferd entspannt bleibt und das neue Jahr gesund beginnt.





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