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Mineralfutter fürs Pferd - Auswahl und typische Fehler

  • Autorenbild: Janine
    Janine
  • 18. Dez. 2025
  • 7 Min. Lesezeit

Mineralstoffe sind für Pferde unverzichtbar, da sie an nahezu allen Körperfunktionen beteiligt sind: Sie stärken Knochen und Zähne, regulieren den Energiestoffwechsel, unterstützen Muskeln und Nerven und sind entscheidend für ein stabiles Immunsystem.

 

Zwar nehmen Pferde über das Grundfutter wie Heu und Weidegras bereits Mineralien auf, doch die Gehalte schwanken stark je nach Bodenqualität, Erntezeitpunkt und Lagerung. Häufig fehlen im Grundfutter wichtige Spurenelemente wie Zink, Kupfer oder Selen in ausreichender Menge.


Ein vollständige Abdeckung aller Nährstoffe nur über das Grundfutter erzielen zu wollen ist jedoch nicht realistisch - auch nicht bei ad libitum Fütterung. Ein gezieltes Mineralfutter schließt diese Lücken und sorgt dafür, dass das Pferd nicht in einen Mangelzustand gerät, der langfristig zu Problemen wie Infektanfälligkeit oder Knochen- und Muskelstörungen führen kann.


Doch nicht jedes Mineralfutter passt zu jedem Pferd. In diesem Artikel erfährst du, worauf es bei der Produktauswahl ankommt und welche typischen Fehler du vermeiden solltest.


Wenn die Versorgung nicht stimmt


Was passiert konkret, wenn das Mineralfutter nicht passt?

 

Neben den allgemeinen Mangelsymptomen wie etwa einem stumpfen Fell, Gewichtsverlust, Leistungsschwäche, auffälligem Verhalten wie das Lecken von Wänden oder Fressen von Erde, Holz oder anderen "komischen Dingen" gibt es eine Reihe spezifischerer Symptome, die auftreten können wenn einzelne Elemente unter- oder überdosiert werden.

 

Ich habe dir einige Beispiele mitgebracht:

 

Calciummangel führt zu Osteoporose, da der Körper Knochengewebe auflöst, um die Bewegungsfähigkeit der Muskulatur aufrecht zu erhalten. Pferde können lahm werden oder zeigen Skelettprobleme. Aber auch eine Überversorgung ist kritisch und belastet bereits ab dem 2-fachen des Tagesbedarfs insbesondere die Niere als Ausscheidungsorgan, denn überschüssiges Calcium muss ausgeschieden werden. Das kann zu einer Überlastung der Nieren und der Bildung von Nierensteinen führen sowie langfristig sogar die wichtige Entgiftungsfunktion beeinträchtigen.


Zink ist ein zentrales Spurenelement zur Bildung von Gewebe. Fehlt es dem Pferd an Zink äußert sich das in stumpfem Fell, Hautproblemen und erhöhter Infektanfälligkeit. Was jedoch viele nicht wissen: Eine Überversorgung wirkt neurotoxisch. Es kann zu Muskelsteifheit, Problemen in der Hinterhand bis hin zu hufrehe-artigen Erscheinungen kommen.


Auch Selen ist ein zentrales Element: Selenmangel führt zu Muskelerkrankungen, Lethargie und Bewegungsunlust sowie verzögerter Regenerationsfähigkeit. Gleichzeitig können wir ein Pferd mit zu viel Selen auch schnell vergiften: Organversagen von Herz, Lunge und Darm, Oxidativer Stress, geschwollene Kronränder bis hin zum Ausschuhen sind die drohenden Folgen.


[Kleine Ergänzung am Rande: Der Mythos, dass ganz Deutschland ein Mangelgebiet wäre ist genau das - ein Mythos. Vielmehr sehen wir eine starke regionale Schwankungen in den Selengehalten. Tricky, wenn man diese nicht beachtet.]


Dies waren nur einige Beispiele .Jeder Nährstoff hat wichtige Funktionen im Pferdekörper. Fehlt auch nur einer dieser Bausteine, kann das langfristig die Gesundheit beeinträchtigen. Jeder Nährstoff kann den Organismus gleichzeitig jedoch auch belasten, wenn er dem Pferd im Übermaß zugeführt wird.


Hinzu kommt, dass sich weder Mengen- noch Spurenelemente isoliert betrachten lassen. Sie wirken jeweils nicht nur einzeln, sondern insbesondere auch im richtigen Verhältnis zueinander. Eines der bekanntesten Zusammenhänge ist sicherlich das Verhältnis von Calcium zu Phosphor. Gerät dies aus dem Gleichgewicht drohen Knochenprobleme, Nierenbelastung, Koliken und eine schlechtere Aufnahme anderer Mineralstoffe. Das Ca:P-Verhältnis im Heu ist übrigens ebenfalls etwas, das stark schwanken kann.



Ein falsches Mineralfutter kann also nicht nur die Leistungsfähigkeit mindern, sondern auch die Gesundheit langfristig gefährden.



Wie stark variieren Heu‑ und Bodenwerte? Ein konkretes Beispiel

 

Wenn ich durch meine Heuanalysen schaue, die mich im Laufe eines Erntejahres erreichen, sehe ich grundsätzlich breite Schwankungen. Die Messwerte liegen oft so weit auseinander, sodass pauschale Empfehlungen nicht greifen (können).

 

Beim Spurenelement Mangan etwa habe ich Werte von ca. 17 bis 180 mg/kg Originalsubstanz gesehen — wir sprechen hier von Schwankungen um das 10-fache.

 

Ein Pferd mit ca. 600 kg benötigt eine Tagesmenge Mangan von 485 mg. Bekommt dieses Pferd 12 kg Heu am Tag könnte die Tagesaufnahme irgendwo zwischen 204 mg (und damit unterhalb des Bedarfswertes) und 2160 mg (und damit weit über dem Bedarfswert) liegen.


Eine Einschätzung, ob das Pferd nun Mangan supplementiert bekommen muss oder nicht ist somit ohne die Zusammensetzung des Heus zu kennen schlicht nicht möglich!

(und nein, auch nicht über ein Blutbild, denn der Manganspiegel im Blut hat leider keine Aussagekraft über die Notwendigkeit einer Zufütterung).

 

Und das ist nur ein Beispiel, das für mich die Notwendigkeit einer individuellen Beurteilung deutlich macht.

 

Das bedeutet: Ein Mineralfutter, das bei Heucharge A sinnvoll ist, kann bei Heucharge B entweder überdimensioniert oder auch völlig unzureichend sein.



Warum Produktbeschreibungen allein nicht ausreichen

 

Viele Pferdemenschen greifen beim Mineralfutter leider nach dem erstbesten Produkt – sei es, weil es günstig ist oder weil der Hersteller bekannt ist oder das Produkt als „geeignet für Pferde mit (beliebigen Einsatzzweck/Krankheit/Altersstufe einsetzen)“ beworben wird.

 

Doch genau hier liegt die Gefahr: Sie passen selten zum individuellen Bedarf.

  

Herstellerangaben und Zielgruppendefinitionen sind Marketing‑orientiert und berücksichtigen nicht die tatsächliche Zusammensetzung deines Heus oder die individuellen Bedürfnisse deines Pferdes (denn auch der Bedarf an Mengen- und Spurenelementen variiert abhängig von Alter, Leistung, Rasse und eventuellen gesundheitlichen Themen) - wie auch, kein Hersteller kennt die Region in der das Pferd lebt, die Weidezusammensetzung auf der es das Gras aufnimmt oder die Heucharge die gerade verfüttert wird.


Eine Auswahl allein nach Produktbeschreibung kann daher zu Fehlversorgungen führen:


Der Hersteller kann somit nur anhand von Durchschnittswerten arbeiten, die, wie wir oben gesehen haben, starke Schwankungsbreiten aufweisen. Wird einfach „irgendein Mineral“ gefüttert ist das Risiko groß, dass die Produkt-Zusammensetzung nicht zum realen Bedarf des jeweiligen Pferdes passt. Entweder werden Defizite nicht ausgeglichen oder es kommt zu Überversorgungen, die z.B. Leber und Nieren belasten und das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Elementen stören.


Das Ergebnis sind nicht nur verschwendete Kosten, sondern auch gesundheitliche Risiken für das Pferd. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen und die Mineralstoffversorgung gezielt prüfen zu lassen – statt sich auf pauschale Werbeversprechen zu verlassen.


Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand kann nur eine Kombination aus Heuanalyse, Bedarfsberechnung und gezielter Ergänzung Sicherheit schaffen.


Organisch vs. anorganisch - worauf kommt es an?


In der Diskussion um Mineralfutter wird oft gefragt, ob organisch gebundene Mineralstoffe (z. B. Chelate) besser sind als anorganische (z. B. Oxide oder Sulfate).

 

Tatsächlich kommen beide Formen auch in der Natur vor und können vom Pferd verwertet werden, wenngleich in Heu und Gras der Anteil der anorganisch gebundenen Mineralstoffe überwiegt.


In der Praxis macht es aus ernährungsphysiologischer Sicht keinen Sinn, rein anorganische oder rein organische Mineralfutter einzusetzen, denn es gibt keine eindeutigen Vorteile der ein- oder anderen Sorte. Die Überdosierungsgefahr ist bei organischen Spurenelementen jedoch höher als bei anorganischen. Bei Mengenelementen gibt es hingegen keinen nennenswerten Unterschied zwischen beiden Bindungsformen.


Der entscheidende Punkt ist somit nicht die Bindungsform allein, sondern die Bedarfsgerechtigkeit:

Wie viel von welchem Element ist enthalten und passt die Mischung zum individuellen Pferd?

 

Ein Überschuss kann genauso schaden wie ein Mangel. Daher ist es viel wichtiger, auf die richtige Dosierung und ausgewogene Zusammensetzung zu achten, statt sich ausschließlich auf die Frage „organisch oder anorganisch“ zu konzentrieren.


💡Worauf du bei der Mineralauswahl achten solltest


  1. Betrachtung der Grundfutterration

    Heu ist kein leerer Füllstoff - es beinhaltet neben wichtigen Komponenten wie Rohfaser, Energie und Proteinen auch Mengen- und Spurenelemente. Die Gehalte schwanken jedoch stark, was eine Pauschalisierung a la "im Heu sind X Gramm Calcium" unmöglich macht. Der einzige Weg um Klarheit zu erhalten ist eine Heuanalyse.


    Alles zur Analyse habe ich dir im kostenfreien Webinar rund um die Heuanalyse zusammengefasst:



Auch Stroh und Weidegras zählen zum Grundfutter und sollten mit einbezogen werden.


  1. Saisonabhängigkeit

    Insbesondere bei ausgedehntem Weidegang nehmen Pferde über das Weidegras große Mengen an Mengen- und Spurenelementen aber auch Vitaminen zu sich. Die Zusammensetzung von Frischgras unterscheidet sich dabei deutlich von der von z.B. Heu.


    Daher darf sich die Mineralisierung während der Weidesaison durchaus auch von der Mineralgabe im Winter unterscheiden.


  1. Alter, Spezialrassen, Einsatzzweck und Vorerkrankungen

    Bedarfe ändern sich. Bestimmte Altersgruppen wie Jungpferde oder Senioren haben erhöhte Bedarfe in einzelnen Elementen, genauso wie sportlich sehr aktive Pferde anders versorgt werden müssen als Pferde, die keinen nennenswerten Belastungen ausgesetzt sind. Spezialrassen wie Tinker, Isländer, Quarter Horses und Co. haben ebenfalls abweichende Bedarfe gegenüber "normalen" Warmblütern.


  1. Verarbeitungsform & Akzeptanz

    Neben all den individuellen Auswahlkriterien nützt uns das beste Produkt nichts, wenn das Pferd es nicht fressen mag.


    Je nach Pferdetyp kann es also sinnvoll sein, sich über die Verarbeitungsform Gedanken zu machen: Während Pellets praktisch sind, lässt sich Pulver insbesondere bei mäkeligen Kandidaten gut in Nassfutter untermischen. Bei reiner Weidehaltung kann die Wahl von größeren Pellets oder Nuggets sinnvoll sein, um eine Fütterung aus der Hand zu vereinfachen.


Sicherheit bei der Mineralfutterwahl - dein Mineral-Check


Nicht immer benötigt es eine komplette Umstrukturierung der Futterration. Was du aber sehr wohl regelmäßig überprüfen solltest, ist die richtige Produktauswahl des Mineralfutters.


Dein EquiMove Mineral‑Check

 

Du hast keine Lust dich durch das vielfältige Angebot am Markt zu wühlen?

Du bist dir unsicher, wie du Bedarfe richtig einschätzen kannst?

Du möchtest das beste Produkt für dein Pferd anstatt leerer Werbeversprechen?


Bei Vorlage deiner Raufutteranalyse suche ich dir aus dem vielfältigen Produktangebot am Markt die dazu passende Mineralisierung für dein Pferd.

 

👉 Der Mineral-Check beinhaltet


  • Auswertung der Raufutteranalyse

  • Ermittlung des Nährstoffbedarfs

  • Liste passender Produktvorschläge inkl. Kostenaufstellung.

 

👉 So läuft deine Beratung ab:


 1 - Du buchst deinen Mineral-Check und bekommst einen kurzen Fragebogen zugesandt, in dem du mir die für die Auswahl des richtigen Minerals wichtigen Infos zu deinem Pferd mitteilst. 

 

2 - Gemeinsam mit der vorliegenden Heuanalyse (bitte inkl. Auswertung der Mengen- und Spurenelemente) setze ich mich an die Überprüfung und suche dir zu deinem Heu passende Mineralfutter aus.

 

3 - Im Anschluss erhältst du von mir einen kurzen Analysebericht zu den Ergebnissen der Heuanalyse sowie eine Liste mit 2-3 konkreten, zu deinem Heu passenden Produktvorschlägen inkl. Dosierungsangabe.

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Bitte beachte, dass dieses Angebot keine persönlichen Telefonate oder weiterführende Beratung enthält! Es handelt sich daher um keine vollwertige Futterberatung. Sollte dein Pferd gesundheitliche Probleme, Erkrankungen oder andere größere "Baustellen" aufweisen, so empfehle ich dir die Buchung einer ausführlichen Online- oder vor-Ort-Beratung.


Ohne Mineralfutter geht’s nicht, denn mit der normalen Grundfutterration aus Heu, Gras und Stroh sind Pferde nicht ausreichend mit der Fülle an Nährstoffen versorgt, die sie für ihre Gesundheit brauchen. Nutze daher gerne meinen Mineral-Check um schnell und unkompliziert das richtige Produkt herauszufiltern.




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